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Beton.

16/10/2012

Meine Wohnung hat dicke Wände. Sie sind aus unbarmherzigem Beton.
Wären die Fenster nicht undicht, würden keinerlei Geräusche von der Straße zu mir hereindringen. Dann würde ich sehen, wie die schon etwas zerrupft wirkende Birke sich biegt und ihre Blätter hin- und herschwingt, ohne das dazugehörende Rauschen wahrzunehmen. Keine knarzende Pappel, keine schreienden Kinder. Keine rappelnden LKW.
Doch es ist gut, dass all diese Geräusche da sind und mich an die Existenz einer Außenwelt erinnern. Es ist gut, dass eine Außenwelt da ist. Glaube ich.
Und im Zweifelsfall wird der lärmende Rest mir um mindestens eine Armlänge vom Hals gehalten und ich kann ein Hohelied singen auf die Dicke des Betons, auf seine kehlenzuschnürende, endgültige Abgeschlossenheit.

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Maul da! (wait, what?)

27/02/2012

Habt ihr gemerkt, wie sich die Luft verändert hat? Sie schmeckt nach Frühling und wir werden bald alle neu geboren.

Ich hatte ehrlich gesagt vor, hier so bald nicht mehr zu schreiben. Überhaupt nicht mehr zu schreiben, eigentlich.
Mein Kopf weiß nicht, was er tut, und mein Mund weiß nicht, was er vor sich hinblubbert. Meine eigenen Worte beschämen mich (dieses Gefühl beim Sprechen? wenn man sich gleichzeitig innerlich anschreit „HALT DIE FRESSE!“) und naja, warum auch nicht. Mehr Bescheidenheit braucht der Mensch! Ist doch auch schön, so ein ausgewachsenes Schweigen. Da hört man die Vögel erstmal richtig.
Meine Notizbücher muss ich übrigens immer noch verbrennen aber damit warte ich, bis der Ofen voll ist. Dann muss ich mir nie wieder Gedanken darüber machen, was passiert, sollte ich plötzlichundunerwartet sterben und meine ollen Tagebücher meiner geliebten Familie in die Hände fallen.

Oh, und in dem Zusammenhang von Selbsthass zu sprechen, habe ich wirklich keine Lust. Ich hasse nicht. Ich finde mich nur überaus stumpfsinnig und enervierend. Und dem Gefühl nach enerviere ich mich weniger, wenn ich dabei diskret bin. Tralala.

Aber wir vernünftigen, vernünftigen Wesen müssen reden, oder? Naja, oder zumindest über Facebook mit anderen unserer Art kommunizieren? Über das Wetter. Es wird übrigens Frühling, wie schön!

?

07/02/2012

Dies könnte ein Bericht darüber werden, wie ich beschloss, vernünftig zu essen (Sauerkraut mit Orange, u.a. — klingt ekelig, isses aber nicht!), es geklingelt hat und dann doch wieder der Bulimasaurus vor meiner Tür stand. Aber das wäre nichts Neues, denn in dieser Situation war ich wohl schon fünfzigtausend Mal in diesem Leben.
Ach, es macht mich einfach krank, wie es mich krank macht, dass ich mich krank mache und ich frage mich die ganze Zeit, was meine Mama sagen würde. Ich rufe sie jeden Tag an, um uns beide davon zu überzeugen, dass es mir gut geht. Und ich lese Liebesbriefe von Tolstoi, aber sonst mache ich gar nichts.
Ich habe überlegt, ob es nicht an der Zeit wäre jeden einzelnen Schritt, den ich am Tag mache, aufzuzeichnen, damit diese weiße Wand vor meinem inneren Auge verschwindet. 10.23h: Zähne geputzt. 12.45h: Wäsche aufgehängt. (Okay, das war gelogen..) 13.37h: Briefkasten.
Ich meine.. irgendwas muss man doch machen können, oder?

Weiß.

28/01/2012

ich trage mein neues blütenweißes männerhemd und achte ganz genau darauf, dass es kein mascaraflecken abbekommt, während ich schniefe und vor mich hin schluchze, ich elendes stück scheiße.
er versucht immer wieder, mich zu umarmen/ beruhigen, aber das macht doch alles nur noch schlimmer! und seine versuche werden mit zitternden händen abgewehrt. ich hingegen versuche ihm gegen meinen eigenen willen zu erklären, was hier vor sich geht. perfektionismus, baby, schonmal gehört? nein? okay. natürlich widerspreche ich mir selbst, das sage ich doch schon die ganze zeit.
er behauptet, ich hätte einen schwachen willen. hat er recht? egal, oder? darum geht es schließlich nicht. es gibt keinen verdammten willen, darum gehts. keine glatte homogene masse und kein störendes element.
es gibt nur widerspruch.
und wenn du mich sowieso nicht verstehst, begreife ich nicht, warum ich mir die verdammte demütigung nicht erspart habe. denn dass niemand einen anderen verstehen kann, das habe ich dir doch von anfang an gesagt.
ich stehe auf und putze mir die nase mit dem ärmel meines hemdes.

What She Said

12/12/2011

Ich weiß, meine neuesten Erkenntnisse über die Menschheit sind wirklich genial. Ich habe also erkannt, dass wir uns gegenseitig verletzen und damit den Nutzen, den wir möglicherweise aus unseren tollen gegenseitigen Beziehungen schöpfen könnten, mehr als zunichte machen. Homo homini lupus, um mal zu unterstreichen, wie aktuell und fundamental diese Erleuchtung meinerseits ist.
Das ist aber nicht der springende Punkt.

All das wäre kein Problem, wenn ich überzeugt davon wäre, dass ich diese Erleuchtung zu meinem Vorteil nutzen und von nun an auf engere soziale Kontakte (ich rede nicht von Sex) verzichten kann. Das würde mit Sicherheit Zeit und Kummer sparen. Ah, die Zeit. Meine Zeit ist wirklich wertvoll und ich erlaube keinem einzigen von all den dahergelaufenen Bauern, sie zu beanspruchen.
Ehrlich gesagt ist die Vorstellung verlockend. Wenn ich könnte, würde ich meine Spuren verwischen und mich einfach vergessen lassen. Wobei ich wohl allein schon an meiner Mutter, die sich sicher immer noch lebhaft an die Schmerzen bei meiner Geburt erinnert, scheitern müsste. Damit hat sie wohl Anspruch auf meine Aufmerksamkeit, aber ansonsten.. Wie wäre es, wenn niemand an mich denken würde?
Die Idee, dass jemand Gedanken an mich verschwendet, ist schmerzhaft, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass das schöne Gedanken wären. Ich weiß auch nicht, wann ich das letzte Mal etwas getan hätte, das besonders denkwürdig wäre. Ich glaube, ich habe im Kindergarten immer formvollendete Sandkuchen gebacken, vielleicht würde meine Ma dann in Erinnerungen an Sandkuchen schwelgen.

Dass ich mich mir jetzt als Riesenamöbe ohne Errungenschaften oder besonderen Charakter vorstelle, hilft auch nicht gerade.
Ich frage mich nur, warum ich diesen Gedankengängen jetzt nachgehen muss, jetzt, wo ich mir endlich eingestehe, dass ich auf so etwas wie Freunde angewiesen bin?
Jahrelang hatte ich Zeit, darüber zu brüten (und habe es auch getan), wie wenig zufriedenstellend dieses Getue rund um zwischenmenschliche Kontakte ist. Genau so lange, wie ich das Vergnügen hatte, mir selbst vorzuhalten, wie unzulänglich und lächerlich ich doch bin.

Und nun, in der Blüte meiner Jugend, wo ich eigentlich in Clubs und Einkaufszentren rumhängen und meinen knackigen Hintern inmitten anderer ebenso knackiger Hintern zur Schau stellen und jede Menge legaler Drogen konsumieren sollte — ausgerechnet jetzt fällt mir ein, dass sich gleich und gleich gern gesellt? Dass meine eigene Misere nur von anderen Unglücklichen, Verrotteten abgeschwächt werden kann?
Denn das ist er, der Knackpunkt. Ich glaube nicht, dass ich überleben kann, ohne dass da jemand ist, der sich mein erbärmliches Geschwafel anhört. Ich glaube nicht, dass ich es schaffe, wenn mir nicht jemand sagt, dass keinen langsamen, qualvollen Tod verdiene. Ich bin beinahe überzeugt davon, dass ich jemanden brauche, der mich irgendwie unterstützt, jemand, der mich anlächelt und dabei kein Versicherungsvertreter ist.

Nur ist jetzt leider niemand mehr da.

 

Oh, nevermind, Darling. Go on and finish your tea.

11/12/2011

Ich hasse die Weihnachtszeit, aber nur so, wie ich jede Zeit des Jahres hasse, in der ich mich gerade befinde. Im Winter verabscheue ich auch generell den Winter, also seid nicht beleidigt, liebe Weihnachtselfen. Außerdem liegt diese besondere falsche Fröhlichkeit nicht nur zu Weihnachten in der Luft, das vergesse ich immer wieder.

Und nun auf zu düsterem Gejammer! Ehrlich gesagt habe ich das Prinzip Freundschaft noch nie richtig verstanden, und jetzt ist der Zeitpunkt erreicht, an dem ich keine Lust mehr habe, drumherum zu schleichen und mir den Arsch aufzureißen, ohne dass ich kapieren würde, worum es geht.
Was ich verstanden habe, ist allerdings schon von unschätzbarem Wert:
Es geht 1.) nicht darum, sich gegenseitig die Wahrheit zu sagen, sondern darum, immer gleicher Meinung zu sein oder wenigstens den Anschein zu erwecken und 2.) hat man, wenn der andere so exzentrisch sein muss, auf seiner dummen eigenen Meinung zu beharren, ein Anrecht auf seine Seele und darf ihn von nun an wie ein Stück Scheiße behandeln.
Wie kann so etwas einem vernünftigen Menschen erstrebenswert erscheinen?! W-I-E ?!?

Ja, solch infantiler Dreck beschäftigt mich momentan. Ist ja nicht so, als hätte ich Spannenderes zu tun. Also gebe ich (seit Stunden, Tagen oder gar Wochen) stupiden, kreisenden Gedankengängen wie dem oben nach und weiß deshalb nie genau, ob ich nun traurig bin oder wütend oder ob die Apathie langsam gewinnt. Ach, oder natürlich, ob ich ein Alien in einem Menschenkörper bin.
Meist bin ich allerdings wütend. Ich habe den Ehrgeiz, noch vor meinem 30. Geburtstag einen Herzinfarkt zu bekommen, deshalb kommt mir das gerade recht.

Das Gejammer kommt allerdings von einer Person, die ohnehin nur zwei dieser ominösen Freunde hat, wovon sich immerhin einer im selben Land befindet. Die Chance, dass ich neue Leute kennenlernen könnte, ist (nebenbei bemerkt) verschwindend gering, denn ich habe weder die sozialen Fähigkeiten noch die Nerven, mich mit irgendwem außer mir selbst auseinander zu setzen. Da fragt man sich doch mitunter, ob ich es nicht wenigstens um des Konsequentseins willen gleich hätte sein lassen können.
Und das hätte ich vielleicht wirklich lieber tun sollen, denn jetzt, als praktisch Verwaiste, vermisse ich es, andere Leute wie ein Stück Scheiße zu behandeln.

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Oh, außerdem muss ich definitiv mehr saufen und weniger essen. Dann wird auch für mich bald die Sonne wieder scheinen, nicht wahr? =^.^=

Anaconda

28/11/2011

Man kann nicht behaupten, dass ich momentan einem Ziel entgegenstrebe, aber sollte sich das im Laufe der nächsten Tage ändern, werde ich eventuell den glorreichen Tod durch Kohlenhydrate anvisieren.
Alles und jeder verliert noch den letzten Rest an Bedeutung, anstatt sich zu meinem Amusement ordentlich darin festzubeißen.

Die Zeitung kann ich nicht mehr lesen, weil die Nachrichten nicht zu mir durchdringen, sondern nur mit einem unauffälligen, dumpfen Geräusch gegen meine Schädelwand prallen. Lesen — überhaupt eine müßige Tätigkeit, zu der ich mich nicht durchringen kann. Ich verstehe einfach nicht, wozu. Es würde mich ohnehin nur traurig machen, und ich weigere mich, Traurigkeit zu empfinden.
Und dann diese Menschen, die ich irgendwann mal auf der Straße getroffen habe und die nun überzeugt sind, ein Anrecht auf mich und meine Zeit zu haben! Sie tun, als sei es ihnen nicht bewusst, aber auf meinen Nerven Herumtrampeln und Dreck machen ist ihr einziger Verdienst.

Ich weiß nicht, ob ich es schaffe, heute das Haus zu verlassen. Wenn ich mir das einmal erlaube, werde ich nie wieder nach draußen gehen — das weiß ich und das ist auch wirklich das Einzige, was dagegen spricht.
Und ehrlich gesagt würde es vermutlich niemand bemerken, das macht es natürlich verlockend. Eine bessere Voraussetzung, Eremitin zu werden, gibt es doch gar nicht.
Die Zeit dümpelt so vor sich hin, das heißt, eigentlich rast sie, ich habe nur aufgehört, mich darum zu kümmern. Ich habe Kaffee und vielleicht noch Weed oder Wodka und ich habe ein Bett und Fakt ist, dass es mit der Zeit immer schwerer wird, Gründe zum Weiterleben zu finden.